Krefeld. Ein Zettel mit wesentlichen Vokabeln hängt an der Wand eines Kita-Gruppenraums an der Cäcilienstraße: „Bucket“ heißt Eimer und „Glove“ bedeutet Handschuh. Die Begriffe sind mit der Hand geschrieben, etwas krumm, aber für alle 17 Teilnehmer des IJGD-Workcamps gut zu lesen. Camp-Sprache ist Englisch, viele sprechen auch Deutsch und so ergibt sich hin und wieder ein Sprachmix. Manchmal hilft dann für die rasche Verständigung ein schneller Blick auf den Übersetzungszettel. In der dritten Wochen arbeiten die jungen Erwachsenen nun in dem Teil des ehemaligen Schulgebäudes in Hüls der seit Jahrzehnten als Kindergarten genutzt wird. „Wir haben in dieser Zeit viel mehr geschafft, als wir geplant hatten“, freut sich Bettina Dewan vom Fachbereich Jugendhilfe und Beschäftigungsförderung, der zum 16. Mal mit dem Internationalen Jugendgemeinschaftsdienst (IJGD) aus Bonn ein solches Workcamp durchführt.

„Dieses Jahr sind alle sehr, sehr motiviert“, betont Dewan. Denn neben dem Außengelände der städtischen Kita hat das Team „über Plan“ noch die beiden Gruppenräume gestrichen und weitere kleine Aufgaben erledigt. In der Kita an der Cäcilienstraße herrscht fast Stille. Die jungen Leute gehen konzentrieren ihrer Arbeit nach: Einige tragen Säcke mit Zement aufs Außengelände, andere setzen Pflanzen ein. Im Haus streicht Danyi aus Kanada eine leicht gelbliche Farbe auf eine Wand. „Gleich muss ich mich noch ums Essen kümmern“, sagt die 21-Jährige. Die Studentin aus Montreal besucht zum ersten Mal Europa. Ihren Aufenthalt hat sie bereits genutzt, um sich vor der Campzeit Paris, München und Frankfurt am Main anzuschauen. „Nach Krefeld hatte ich aber eine lange Anreise“, schmunzelt die Kanadierin. „Ich bin nicht am Hauptbahnhof, sondern aus Versehen an einer Station außerhalb ausgestiegen“, berichtet sie. Dann habe sie sich durchgefragt, mit Straßenbahn, Bus und der freundlichen Auskunft einiger Krefelder gelangte sie letztlich nach Hüls. „Dennoch war ich die Erste, die hier ankam.“ Ihr folgten dann junge Frauen und Männer aus Aserbaidschan, Armenien, Russland, Korea, der Türkei, Ungarn und Deutschland. Drei Wochen lang setzen die Teilnehmenden ihre Arbeitskraft für das gemeinnützige Projekt ein. „Schippen, Schubkarren fahren, hier haben alle trotz der hohen Temperaturen in der ersten Woche angepackt, auch die Mädchen“, berichtet Dewan. Da war der freie Eintritt in das Naturschwimmbad in Hüls bei über 30 Grad Celsius natürlich eine willkommene Abkühlung.

Unter der fachkundigen Begleitung durch den Fachbereich Grünflächen und der tatkräftigen Unterstützung vor Ort durch dessen Mitarbeiter Marcel Goertz und Stefan Hübertz hat das internationale Team in den vergangenen Wochen die Sandfläche vergrößert, einen neuen Matschtisch installiert, einen „Zahlenweg“ gebaut, Beete angelegt und das Kletterhaus der Wassergeister aufgearbeitet und gestrichen. Die Firma „teamtischer“ aus Moers unterstützt das Workcamp-Projekt zum zweiten Mal mit einem kompletten Bausatz für ein geräumiges Insektenhotel. Zudem haben die jungen Erwachsenen die Gruppenräume gestrichen, eine Wand erhielt sogar eine „Magnetfarbe“, an der die Kinder künftig spielen können. „Ich bin begeistert, was von den jungen Leuten in den drei Wochen umgesetzt worden ist. Die Kolleginnen und Kinder werden große Augen machen“, freut sich Saskia Loy, Leiterin der Kita-Cäcilienstraße. Das umgestaltete Außengelände eröffne den 50 Kindern neue Spiel- und Beteiligungsmöglichkeiten sowie neue Erfahrungsräume, so die Pädagogin.

Während ihrer Zeit in Krefeld leben die Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 27 Jahren in der Kita an der Leuther Straße. „Das Kennenlernen verschiedener kultureller Gegebenheiten und eine intensive Völkerverständigung sind neben der Freiwilligenarbeit wichtige Bestandteile des Workcamps“, erklärt Dewan. Vormittags arbeiten sie einige Stunden an der Cäcilienstraße, danach haben sie Freizeit. „Einige haben die Zeit bereits genutzt, um Düsseldorf und Köln zu erkunden. Ein paar Teilnehmer sind sogar einen Tag nach Amsterdam gefahren“, berichtet Dewan. Ihren „Heimat-Stadtteil auf Zeit“ konnten die 17 Workcamper dank des Heimatvereins Hüls bei einer Stadtführung kennenlernen. Ein Picknick in einem Hülser Park und ein Besuch des Jazzkellers in der Innenstadt standen ebenso auf dem Programm wie eine niederrheinisch-bergische Kaffeetafel. „It feels like home“, meint Danyi: Es sei schon ein bisschen Zuhause. „Mir gefällt es inzwischen sehr gut. Hier ist es schön und so friedlich“, sagt die Kanadierin. Wenn sie mit den anderen am Freitag von Hüls in ihre Heimatländer aufbricht, gönnt sich die 21-Jährige noch einen Abstecher nach Belgien. Weitere Informationen stehen im Internet unter www.ijgd.de.

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