Moers. „Jede siebte Frau in Deutschland erlebt mindestens einmal in ihrem Leben schwere sexualisierte Gewalt“, so Axana Getzlaff Mitarbeiterin von Frauen helfen Frauen e.V. Moers. „ Jährlich werden ca. 8000 Vergewaltigungen angezeigt. Die Dunkelziffer ist jedoch viel höher. Die meisten Verfahren führen allerdings erst gar nicht zu einem Prozess, weil sie von der Staatsanwaltschaft eingestellt werden.“

Dies ist der Fall, weil nach deutschem Strafrecht bei einer Vergewaltigung eine Nötigung des Opfers vorausgesetzt wird. Das bedeutet, die sexuelle Handlung muss entweder mit Gewalt, durch Bedrohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben oder unter Ausnutzung einer schutzlosen Lage der Betroffenen erzwungen worden sein. Durch diese enge rechtliche Auslegung der „schutzlosen Lage“ werden zahlreiche sexuelle Übergriffe strafrechtlich nicht verfolgt. Denn es bleibt unberücksichtigt, dass häufig die gesamte Situation einer Vergewaltigung für Betroffene bedrohlich wirkt und sie sich ohnmächtig und hilflos fühlen. Betroffene befürchten lebensbedrohliche Verletzungen und haben Angst, oft ohne dass der Täter konkrete Drohungen aussprechen muss. Viele lassen die Tat ‚wie erstarrt‘ über sich ergehen. In der Praxis heißt das, dass es Fälle gibt, in denen beweisbar ist, dass ein Täter sexuelle Handlungen gegen den Willen einer Person durchführte, die derzeitige Rechtslage eine Verurteilung aber nicht erlaubt, weil nicht alle Voraussetzungen des §177 des Strafgesetzbuchs erfüllt sind.

Der Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe sowie viele andere Verbände sehen hier dringenden Handlungsbedarf, um die bestehende Lücke im Sexualstrafrecht zu schließen und die Forderungen aus der Europaratskonvention auch in Deutschland umzusetzen.

Der Verein Frauen helfen Frauen e.V. Moers ruft Bürgerinnen und Bürger auf die online Petition „Vergewaltigung verurteilen – Ihre Stimme jetzt!“, zu unterstützen. Wer seine Stimme abgeben möchte, kann dies unter folgender Internetadresse www.change.org/neinheisstnein noch bis zum 30. September tun.

Als Fachstelle gegen sexuelle Gewalt steht die Beratungsstelle Frauen helfen Frauen e.V. den betroffenen Frauen und deren Angehörigen bei allen Fragen zur sexueller Gewalt montags bis donnerstags unter 02841/28600 oder www.frauenhelfenfrauenmoers.de zur Verfügung.

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