(Symbolfoto: HELIOS/Dragan Andrii)

Duisburg. Fruchtbarkeit ist auch für Männer ein heikles Thema und mit vielen Halbwahrheiten verbunden. Fragen und Antworten rund um die kleinen Schwimmer.

Wenn von der berühmten biologischen Uhr die Rede ist, denken wir meist an Frauen über 40. Doch gerade beim Thema Kinderwunsch zeigen neueste Studien: Auch Männer sollten nicht ewig warten, denn die Qualität ihrer Spermien sinkt mit dem Alter. Und überhaupt kursieren rund um die kleinen Schwimmer eine Reihe von Irrtümern. Antworten auf die wichtigsten Fragen gibt Priv.-Doz. Dr. med. Frank vom Dorp, Chefarzt der Urologie und Kinderurologie an der Helios Marien Klinik Duisburg.

Wie lange sind Männer tatsächlich fruchtbar?

Grundsätzlich stimmt zwar die weit verbreitete Annahme, dass Männer auch im hohen Alter noch Kinder zeugen können. Aber so leicht, wie es klingt, ist es nicht. Die Fruchtbarkeit des Mannes beginnt mit dem ersten Samenerguss in der Pubertät und erreicht ihren Höhepunkt ungefähr mit Mitte 20. Danach geht es, wie in anderen Bereichen unseres Körpers, stetig bergab. Das bedeutet, dass die Zahl der beweglichen und gesunden Spermien sinkt, gemeinsam mit der Wahrscheinlichkeit ein gesundes Kind zu zeugen. Deshalb sollten sich bei Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch auch immer beide untersuchen lassen. In etwa 40 Prozent der Fälle liegt die Ursache beim Mann.

Wie misst man die Qualität von Spermien?

Um die Qualität beurteilen zu können, müssen die Betroffenen in der Regel eine Spermaprobe in einer urologischen Praxis oder Klinik abgeben. Das ist für viele schon eine unangenehme Hürde. Deshalb ist auch möglich, die Probe daheim in einen speziellen Becher zu füllen und dann innerhalb eines bestimmten Zeitfensters zur Praxis zu bringen.  Im Labor wird dann ein sogenanntes Spermiogramm erstellt, das die Ejakulatmenge, die Gesamtzahl der Spermien, ihre Beweglichkeit und Form sowie das Vorkommen von Antikörpern und weißen Blutkörperchen beurteilt. Für dieses Verfahren gibt es feste Vorgaben von der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Ergeben sich auffällige Werte, muss der Test einige Wochen später noch einmal wiederholt werden. Um Männern den Gang zum Urologen zu ersparen, arbeitet die Forschung aktuell auch an Tests für Zuhause, ähnlich einem Schwangerschaftstest. Bislang liefern diese aber nur ungenaue Ergebnisse, etwa die reine Spermienanzahl. Da für ein umfassendes Bild aber auch andere Parameter entscheidend sein können und Beratung ebenso wichtig ist, sollte man, um sicherzugehen, immer auch ein herkömmliches Spermiogramm anfertigen lassen.

Schadet Wärme den Spermien?

Das ist zumindest für kurzfristige Aktionen wie ein Saunabesuch oder ein kleines Sonnenbad nicht eindeutig erwiesen, daher sollten diese Dinge keine Probleme verursachen. Jedoch reifen die Schwimmer nicht umsonst rund 72 Tage außerhalb des Körpers im Hoden heran. Diese besondere Lage sorgt für eine kühlere Durchschnittstemperatur von rund 34 Grad. Liegt sie über einen längeren Zeitraum höher, verschlechtert sich die Qualität nachweisbar. Das ist etwa bei männlichen Kleinkindern mit Hodenhochstand der Fall, da sich hier die Keimzellen, also die Vorstufen der Spermien, lange Zeit im Körperinneren bei 37 Grad befinden. Wer täglich lange sitzt, sollte deshalb vorsichtshalber keine Wärmeunterlagen verwenden und zwischendurch die Position wechseln. So kühlen die Hoden wieder ab.

Was tut der Spermienqualität besonders gut?

Abgesehen von einem gesunden Lebensstil mit ausgewogener Ernährung und geringem Alkoholkonsum steht vor allem Nikotinverzicht ganz oben auf der Liste. Denn Rauchen beeinträchtigt die Fruchtbarkeit von Männern enorm. Weitere Faktoren sind Stress und Übergewicht, die es zu reduzieren gilt. Helfen kann moderate Bewegung. Extremsport wiederum ist kontraproduktiv, vor allem die Einnahme von männlichen Hormonen zum Muskelaufbau kann die Spermienproduktion fast komplett lahmlegen.

Abstinenz für bessere Fruchtbarkeit?

Getreu dem Motto „Weniger ist mehr“ gehen immer noch viele davon aus, dass es beim Kinderwunsch helfen kann, Samen aufzusparen. Das ist allerdings widerlegt: Schon nach ein bis zwei Tagen ohne Erguss sinkt die Qualität des Spermas, die Anzahl der zeugungsfähigen Samenzellen nimmt dann deutlich ab, sie sind weniger beweglich. Das längere „Verweilen“ im Hoden wirkt sich offenbar auf die Fitness der Spermien aus. Gegen regelmäßigen Sex auch außerhalb der fruchtbaren Tage ist also gerade in der Kinderwunschzeit nichts einzuwenden.

Bei welchen Symptomen muss ich zum Urologen?

Wer beim Samenerguss Schmerzen verspürt, sollte zum Arzt gehen, um die Ursache abzuklären. Eventuell kann eine Entzündung dahinterstecken. Auch ein „trockener“ Erguss, also einer ohne Ejakulat sollte abgeklärt werden. Ein bisschen Blut im Sperma muss nicht zwangsläufig ein Alarmsignal sein, denn beim Orgasmus kann es durchaus passieren, dass ein kleines Blutgefäß platzt. Dennoch sollte zur Sicherheit einmal ein Urologe nachschauen. Häufigster Grund für den Arztbesuch aber ist meist ein unerfüllter Kinderwunsch. Ist das Paar nach rund 12 Monaten intensiven Übens nicht schwanger, sollten sich beide Partner untersuchen lassen.

Zusätzliche Fakten über Spermien:

  • Die meisten Spermien sind kleiner als 0,06 Millimeter.
  • Pro Samenerguss liegt die Menge des Spermas zwischen zwei bis sechs Millilitern. Die Menge gibt dabei aber keinen Hinweis auf die Fruchtbarkeit.
  • Das Ejakulat besteht nur zu rund einem Prozent aus Spermien, der Rest ist Samenflüssigkeit aus Samenblasen, Prostata und Nebenhoden.
  • Ob es beim Samenerguss spritzt oder nur läuft, sagt nichts über die Qualität des Spermas aus.  Dabei spielen Muskelkontraktionen eine Rolle, die je nach Situation variieren können.
  • Spermien sind ausdauernd: Sie legen auf dem Weg zur Eizelle zwar nur rund 15 Zentimeter zurück, können aber im Gebärmutterhals bis zu fünf Tage schwimmend verharren. Auf dem Weg werden sie vom weiblichen Körper unterstützt, der ihnen mit Hilfe des Hormons Progesteron den Weg weist.
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