Gerd Stevens vor der Heilig-Kreuz-Kirche in Mehrhoog (Foto: privat)

Hamminkeln. Wenige Tage nach seinem 99. Geburtstag ist der Mehrhooger Architekt, Kommunalpolitiker und Heimathistoriker Gerd Stevens in der Nacht zum Donnerstag (22. August) verstorben. CDU und Senioren-Union trauern um eine hochverdiente Persönlichkeit, wie CDU-Vorsitzender Norbert Neß und Senioren-Union-Vorsitzender Heinz Breuer in einer gemeinsamen Erklärung mitteilen.

„Gerd Stevens hat das Dorf Mehrhoog über viele Jahrzehnte geprägt“, würdigten Neß und Breuer das CDU-Urgestein. „Als Baumeister, Architekt und Politiker hat er unzählige Grundsteine für die Entwicklung des Ortes und der Region gelegt. Dazu zählen der Wiederaufbau der katholischen Pfarrkirche in Mehr, der Bau der katholischen Kirche Heilig Kreuz in Mehrhoog, das dortige Gemeindezentrum mit Pfarrheim, Pfarrhaus, Kindergärten und Schulen in Mehr und Mehrhoog sowie viele öffentliche und private Gebäude im gesamten Kreisgebiet.“ Fast 70 Jahre war er als CDU-Mitglied aktiv, gründete den Ortsverband Mehrhoog. Den ersten Bundeskanzler Konrad Adenauer hatte er persönlich erlebt, erinnerte sich gern anekdotisch an den „Alten“, der stets fragte, ob jemand im Raum älter war als er selbst. Wenn alle verneinten, habe Adenauer die Sitzungsleitung übernommen.

Für viele CDU-Aktive und Kommunalpolitiker in Mehrhoog und Hamminkeln hatte Gerhard Stevens die Rolle des Ältesten, der mit Erfahrung und Kompetenz ein wertvoller Ratgeber war. „Gerd Stevens hat mich häufig angerufen oder angesprochen, um mir Tipps und Hinweise für die politische Arbeit zu geben“, erinnerte sich der CDU-Vorsitzende. Für 65-jährige Mitgliedschaft wurde er 2017 mit einer besonderen Urkunde geehrt, die von Bundeskanzlerin Angela Merkel und CDU-Landeschef Armin Laschet persönlich unterschrieben war. Der CDU-Ortsverband Mehrhoog ernannte ihren Gründer zum Ehrenvorsitzenden. 2018 wurde er auf Anregung Heinz Breuers mit dem Rheinlandtaler des Landschaftsverbandes Rheinland im Hamminkelner Rathaus geehrt.

Heinz Breuer verwies darauf, dass Stevens bis vor kurzem noch regelmäßig an den Veranstaltungen und Treffen der Senioren-Union teilgenommen hatte. „Auch mit weit über neunzig Jahren war er zuverlässig bei den Mittwochstreffen der Vereinigung dabei“, berichtete Breuer. Stevens gehörte vor 25 Jahren auch zu den Mitgründern der Senioren-Union. Auf Initiative des Ehrenvorsitzenden der Senioren-Union, Peter Mellin, wurde kürzlich noch der von Stevens verfasste Erzählband über die Geschichte Mehrhoogs neu aufgelegt. „Gerd Stevens hat die Geschichte und viele Entwicklungen festgehalten, die er in vielen Jahrzehnten maßgeblich mitgestaltet und geprägt hat“, resümierte Breuer. In dem Büchlein mit dem Titel „Mehrhoog, ein Flecken Niederrhein“ beschrieb Stevens auch die Entstehung der Legende vom Sandhasen, der die sandige und teils karge Landschaft um das Dorf geprägt hat. Sich selbst bezeichnete Stevens auch als „echten Sandhasen“, der gern in platter Mundart rezitierte. Aus seiner Feder stammte das gleichnamige Heimatlied über Mehrhoog. Auch die Heimatzeitschrift „Der Sandhase“ geht auf seine Initiative zurück. Hier veröffentlichte Stevens zahlreiche heimatgeschichtliche Beiträge. Auch bei der Senioren-Union hielt er zahlreiche Vorträge und führte die Mitglieder zu Orten und Stätten in Mehrhoog.

Gerhard Stevens wurde am 11. August 1920 in Mehrhoog geboren. Im Laufe seines politischen Lebens gehörte er dem Kreistag in Rees sowie der Landschaftsversammlung Rheinland an. Ebenso war er viele Jahre Mitglied des Rates in Mehrhoog, das seinerzeit zur Gemeinde Haffen-Mehr gehörte, und dort auch CDU-Fraktionsvorsitzender. Später arbeite er als sachkundiger Bürger im Bau- und Planungsausschuss in Hamminkeln mit. Die kommunale Neuordnung 1975, aus der die Stadt Hamminkeln hervorgegangen ist, gestaltete er federführend mit. „Unsere Stadt hat ihm unendlich viel zu verdanken. Unsere Gedanken sind bei seinen Angehörigen und seiner Familie. Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren“, resümieren Norbert Neß und Heinz Breuer.

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