Die Schülerinnen haben die Station gut im Griff und setzen Birger Meßthaler (r.), Klinikgeschäftsführer, kurzerhand aktiv in die Versorgung ein (Foto: Helios)

Duisburg. Wenn Azubis eine Krankenhausstation leiten

Praxiseinsätze sind während der Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger etwas ganz Alltägliches. Schließlich müssen die Schüler, genau wie in jedem anderen Lehrberuf auch, das theoretische Wissen in der Praxis umsetzen. Normalerweise geschieht dies durch die Mitarbeit in einem existierenden Team. Eine viel tiefergehende Form der Praxiserfahrung beschreitet das Helios Klinikum Duisburg: Beim Projekt „Schüler leiten eine Station“ übernehmen Pflegeschüler für drei Wochen eigenverantwortlich eine ganze Station im realen Krankenhausbetrieb.

„Dazu gehören neben den klassischen pflegerischen Tätigkeiten auch das Schreiben von Dienstplänen, das Organisieren von Visiten und die Kommunikation mit den Ärzten, die Übernahme der pflegerischen Tätigkeiten in allen Schichten inklusive des Nachtdienstes sowie alle administrativen Aufgaben. Darauf haben wir die Schüler unter anderem in einer theoretischen Vorbereitungswoche inhaltlich eingestimmt“, erklärt Peter Frankenstein, Leiter Fortbildung und Personalentwicklung am Helios Klinikum Duisburg. Im vergangenen Jahr hat der erfahrene Krankenpfleger bereits die erste Schülerstation am Helios Klinikum Duisburg initiiert – mit einem mehr als positiven Ergebnis für alle Beteiligten. Deshalb findet die diesjährige Schülerstation nicht mehr nur auf der A2-1, einer urologischen Station an der Helios Marien Klinik, sondern zusätzlich auch auf Station 34, einer pädiatrischen Station der Helios St. Johannes Klinik, statt.

Dabei werden die Schüler aus dem Mittel- und aus dem Oberkurs zwar ein Stück weit „ins kalte Wasser geworfen“, aber im Zweifelsfall helfen Praxisanleiter, die Pflegepädagogen aus dem Bildungszentrum sowie alle anderen examinierten Kräfte beim „Schwimmen“. So, wie Christel Schöne, die seit 31 Jahren Leitung der pädiatrischen Station 34 ist: „Wir Examinierten halten uns zwar etwas im Hintergrund, sind aber immer da, um bei Fragen und Unsicherheiten zu unterstützen. Ich finde es wichtig, dass die Schüler die Erfahrung machen, sowohl in der Verantwortung für unsere Patienten als auch für die Abläufe auf Station zu sein.“

Dieses „Backup“ wissen die Schüler durchaus zu schätzen: „Wir kommen sehr gut mit den Schwestern klar, können jederzeit fragen und lernen auch an der Kritik. Andersherum spiegeln die Schwestern uns auch, dass sie sich über den frischen Wind und die Wissbegierde freuen, die wir mitbringen“, sagt Vanessa Gärtner aus dem Oberkurs, die für die Dauer der Schülerstation die Leitung der Station 34 übernommen hat. Denise Janc-Börst, ihr Pendant auf der A2-1, zeigt sich von dieser Form der praktischen Lernerfahrung ebenfalls begeistert: „Am Anfang war die verantwortungsvolle Rolle als Stationsleitung schon mit einer sagen wir einmal positiven Aufregung verbunden. Aber man wächst schnell in seine Rolle hinein und es macht ziemlichen Spaß.“

Wie schnell sie in ihre Rolle hineingefunden hat, konnte Birger Meßthaler, Klinikgeschäftsführer des Helios Klinikum Duisburg, bei einer Hospitation auf der Schülerstation am eigenen Leib erfahren: „Die Schüler haben die Station wirklich toll im Griff und haben mich ohne Berührungsängste überall dort eingesetzt, wo sie helfende Hände gebrauchen konnten. Auch die Patienten, mit denen ich sprechen konnte, finden das Projekt toll und fühlen sich wohl. Es freut mich sehr, dass dieses Konzept so gut aufgeht und sich wieder einmal zeigt: ‚Zutrauen veredelt den Menschen.‘“ Ein Sprichwort, das Christel Schöne mit Sicherheit unterschreiben würde: Gleichzeitig mit der Schülerstation endet auch ihr Berufsleben und sie verabschiedet sich nach insgesamt 45 Dienstjahren in der Pflege „mit einem guten Gefühl, weil ich weiß, dass die Schüler hier sehr gut ausgebildet werden und es auch nach meinem Fortgang gut weitergehen wird.“

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